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period.numbers: Das Auto dominiert nach wie vor die Mobilität Österreichs

Ohne Auto geht in Österreich nichts: 93 Prozent der Bevölkerung über 15 Jahren verwenden es zumindest gelegentlich, um alltägliche Wege zurückzulegen. Vier von zehn Männern und drei von zehn Frauen sitzen sogar jeden Tag hinterm Lenkrad. Warum sind die Menschen so auf den Pkw angewiesen und wer bewegt sich klimafreundlicher?

Der Mikrozensus der Statistik Austria erhebt regelmäßig in einer repräsentativen Umfrage das Mobilitätsverhalten der Österreicher:innen ab 15 Jahren, zuletzt 2019. Eine wichtige Kennzahl ist dabei der Modal Split, d.h. die Verteilung des Verkehrsaufkommens auf die verschiedenen Fortbewegungsmittel. Dieser zeigt: Vor dem Auto stehen nur die eigenen zwei Beine. Immerhin 96 Prozent der Befragten gehen auch Strecken über 250 Meter zumindest gelegentlich zu Fuß, knapp drei Viertel tun dies täglich. Die öffentlichen Verkehrsmittel, also Bahn, Bus, Straßenbahn oder U-Bahn, werden hingegen nur von rund 17 Prozent jeden Tag benutzt, von gut einem Drittel gar nie.

Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind groß: In Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte wird das Auto von knapp einem Fünftel, in dünn besiedelten Gebieten hingegen von fast der Hälfte der über 15-Jährigen täglich verwendet. Die Öffis werden insbesondere in Großstädten als Verkehrsmittel im Alltag bevorzugt (40 Prozent tägliche Nutzung), während sie in mittel besiedelten Gebieten nur von zehn Prozent, in ländlichen Gebieten von fünf Prozent täglich verwendet werden.

Die Verkehrsmittelwahl hängt also stark von der vorhandenen Infrastruktur ab. „Verkehrsplanung ist Angebotsplanung“, sagt Barbara Laa, Mobilitätsforscherin an der TU Wien. Den öffentlichen Verkehr bis in die Dörfer zu bringen, ist aufgrund der Zersiedelung Österreichs schwierig. Dort ist ein Ausbau oft nicht wirtschaftlich: „Es wäre daher für die Raumplanung wesentlich, dass man kompakte Siedlungsstrukturen schafft, wo es möglich ist, die alltäglichen Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückzulegen“, meint Laa.

Beispiel Wien: Hier sind 80 Prozent täglich zu Fuß unterwegs, jede:r Zweite nutzt die Öffis täglich. „Wien ist international gesehen ein Vorreiter im öffentlichen Verkehr: Wir haben ein sehr dichtes Netz an Haltestellen und eine U-Bahn, die alle zwei Minuten fährt“, sagt Verkehrsplanerin Laa. Das wirke sich allerdings auch darauf aus, dass wenige Menschen mit dem Fahrrad fahren: Nur sieben Prozent sitzen täglich auf dem Drahtesel, fast die Hälfte nie. Hinzu kämen ein nicht durchgängiges und zu wenig sicheres Radwege-Netz sowie ein hügeliges Stadtgebiet.

Die Schaffung einer besseren Rad- und ÖV-Infrastruktur verringert den Autoverkehr aber nur bis zu einem gewissen Grad: Die tägliche Nutzung des Pkws hat bis 2019 nur in Großstädten abgenommen, am Land sogar leicht zugenommen. „Wir brauchen zusätzliche Maßnahmen, die den Autoverkehr einschränken, also teurer und unattraktiver machen“, fordert Laa, die sich auch bei der Initiative „Platz für Wien“ für eine klimagerechte und verkehrssichere Stadt engagiert.

Dass Veränderung im Verkehr möglich ist, zeigte die Corona-Pandemie: 2020 wurden in Österreich beispielsweise weniger neue Autos gekauft als in über dreißig Jahren zuvor. Der Anteil an alternativen Antrieben (v.a. Elektro- und Hybrid) machte bereits rund 20 Prozent der Neuzulassungen aus. Doch insgesamt nimmt der Autobestand weiter zu. Mehr als 5,1 Millionen Pkws waren mit Stichtag 31. Mai 2021 in Österreich zugelassen.

Wer ein Auto besitzt, verwendet es auch. Trotzdem besteht für Barbara Laa die Hoffnung, dass die Coronakrise zu einem Umdenken führen könnte: „Die Menschen waren während den Lockdowns viel im direkten Wohnumfeld zu Fuß unterwegs und haben vielleicht gemerkt, wie der öffentliche Raum gestaltet ist: Wie viel Platz wir den Pkws geben, während wir am Gehsteig oft den Sicherheitsabstand nicht einhalten können.“ Bevölkerung und politische Entscheidungsträger:innen sind angesichts der Klimakrise gleichermaßen gefordert, Alternativen zum Auto zu wählen.